Die „Klaus“-Miniserie von BOOM! definiert die Legende des Weihnachtsmanns auf epische Weise neu

Der Ursprung des Weihnachtsmanns ist eine Legende, die aus einer Vielzahl von Quellen zu finden ist, aber es ist eine Geschichte, die sich weitgehend auf Kindergeschichten oder Komödien beschränkt hat, obwohl sie sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen geliebt werden. Grant Morrison und Seetag verstehen, dass es in der Mythologie Raum für eine nachdenklichere Interpretation gibt, und genau das geben sie uns in BOOM! Studios' Miniserie mit sieben Ausgaben 'Klaus,' die Folklore in Fiktion umwandelt mit einer respektvollen Interpretation der Legende von St. Nick. 'Klaus' ist eine entzückende und würzige Herkunftsgeschichte, die den Charakter personalisiert und gleichzeitig viele der damit verbundenen Klischees vermeidet.



Morrison stellt sich den jungen Klaus als eine zurückgezogene, aber heroische Figur vom Typ Northlander vor, eine Trope, die einem vielleicht nicht als erstes in den Sinn kommt, wenn man sich den Mann vorstellt, der der Weihnachtsmann werden wird. Trotzdem passt es gekonnt und ist nur der erste von vielen erfrischenden Abgängen, die Morrison mit seiner Version des Charakters macht. In dem Wissen, dass jeder große Held der Legende eine passende Folie braucht, liefert Morrison einen Feind in Form von Lord Magnus, dem kaltherzigen und despotischen Baron des Dorfes Grimsvig, einem ebenso kalten und grauen Ort, an dem 'Yuletime' grausam war zu Gunsten seiner eigenen egoistischen Interessen verboten - Interessen, die mit denen von Klaus kollidieren, als ein unschuldiger Tausch in die Stadt zu einer feindseligen Begegnung wird, die ihn ausgeraubt und verletzt zurücklässt.







In Grimsvigs Steinmauern wimmelt es von Verzweiflung und Grausamkeit, während die Männer in den Minen der Stadt unter der Erde schuften, während ihre Kinder ein tägliches Leben der Plackerei ohne Spaß ertragen. Mora illustriert das Dorf als eine Stadt, die ihrer Schönheit gebleicht ist, mit Granit und Beton, die Bäume und Gärten ersetzen, und endlose Poster von Magnus' grimmigem Gesicht, die die Wände verputzen. Magnus selbst wird von Mora eine böse, Tom Hiddleston-ähnliche Qualität verliehen, und die Leser können sich – mit ein wenig Mühe – Chris Hemsworth von 'Thors' als Klaus selbst geschmückt vorstellen.





Was sich skeptische Leser aufgrund des oben Gesagten vorstellen könnten, ist kaum mehr als eine aufwendige Neuinterpretation von Rankin-Bass' Filmklassiker 'Santa Claus is Coming to Town', und - während Morrison eindeutig von diesem Weihnachtsspecial inspiriert zu sein scheint - passt er auf seine Geschichte als etwas weitaus umfangreicheres zu etablieren. Morrison enthüllt eine vergangene Verbindung zwischen Klaus und dem Dorf in glücklicheren Zeiten sowie das gemeinsame Interesse von Klaus und Magnus. Klaus von Morrison wird als eine reinherzige Seele mit einer Fülle von Freundlichkeit charakterisiert, wie man es erwarten würde, aber er ist nicht kitschig oder übermäßig makellos; er ist ein wilder und sarkastischer Krieger und wird in die Schlacht (und ein Gebräu) ziehen, wenn die Situation es erfordert. Ebenso ist Magnus alles andere als ein prototypischer, eindimensionaler Burgermeister; seine Motive gehen über ein sadistisches Verlangen hinaus, grausam und tatsächlich fast blass zu sein im Vergleich zu etwas viel Furchterregenderem später.



Morrisons Entwicklung dieser und anderer Charaktere ist eine Freude; Lady Dagmar ist die unglückliche, unzufriedene Frau von Magnus, deren offene Liebe zur Weihnachtszeit inmitten einer ansonsten deprimierenden Umgebung wie ein Leuchtfeuer der Hoffnung leuchtet. Dagmar inspiriert auch ihren Sohn Jonas, ein scheinbar flacher Archetyp des verwöhnten reichen Jungen, der schon früh nur verabscheuungswürdig ist; Wenn er jedoch vom freundlichen Wesen seiner Mutter aufgetaut wird, wird er zum Symbol für die Weihnachtsbotschaft der Geschichte. Mora verleiht Lady Dagmar eine leuchtende, farbenfrohe Atmosphäre, die ihre Anwesenheit als festliches Gegenmittel gegen die sie umgebende Düsternis unterstreicht.

Die letzte Ausgabe der Reihe ist zwar mitten im Sommer erschienen, dennoch weckt Morrisons Geschichte weihnachtliche Stimmung. Von den kleinen, saisonalen Details – wie Klaus Grimsvigs schärfsten Krieger zu Recht demütigt, indem er ihn in einen figurativen Schneemann verwandelt – bis hin zu größeren – wie Jonas' boshafte Haltung, die eine seltsame Wirkung auf seine ungeliebten Spielsachen hat – bringen Sie diese Art von saisonale Magie, die selbst unter der prallen Sonne im August allgegenwärtig ist. Mora trägt seinen Teil dazu bei, indem er Klaus' helle, glänzende Weihnachtsgeschenke wiedergibt.

Auch andere festliche Akzente bringen die Stimmung einige Monate früher zum Vorschein; ein Charakter bezieht sich auf Klaus als 'Julernisse', ähnlich dem Begriff 'Julenissen', der Weihnachtsmannfigur in der skandinavischen Folklore. Klaus lässt sich von ätherischen Formen leiten, die die Leser als Weihnachtsgeister interpretieren könnten, während Magnus sich im Bann eines anderen vertrauten Weihnachtsgespenstes wiederfindet.

Währenddessen spickt Morrison die Geschichte mit kraftvollen, emotionalen Momenten der Freude, Freundlichkeit und des guten Willens gegenüber seinen Mitmenschen. Um sie nach Hause zu hämmern, führt er die Geschichte gegen Ende auf einen sehr düsteren und sogar verstörenden Weg, weit über die dunkle Umgebung von Grimsvig hinaus. Die dunkle Wendung versüßt nicht nur das Endergebnis, sondern gibt Morrison auch die Möglichkeit, Klaus' Fähigkeiten zu zeigen; nicht als Handwerker, was in dieser Geschichte weitgehend vermieden wird, sondern als Krieger. Morrisons Geschichte bietet nicht viel Action und muss es auch nicht, aber der Kampf am Ende ist ein kraftvoller, weihnachtlicher Schlag.

„Klaus“ ist eine wundervolle Geschichte und eine einzigartige Interpretation eines jahrhundertealten Charakters. Die Miniserie wird die Legende des Weihnachtsmanns mit Sicherheit prägen, wenn man genügend Zeit und Aufmerksamkeit bekommt. Es ist die Art von Arbeit, die dazu bestimmt ist, ein zeitloser Klassiker zu werden, und – obwohl es nicht die kinderfreundlichste Version dieser geliebten Kindheitsfigur ist – wird sie sich letztendlich als Freude für ältere Kinder und Erwachsene erweisen.



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